Mitarbeitermotivation steigern

Was machen wir konkret, wenn wir erkennen, dass die Motivation unserer Mitarbeiter:innen abnimmt oder gar gänzlich verloren gegangen ist? Gibt es eine Möglichkeit, Mitarbeitermotivation wieder zu entfachen oder neu entstehen zu lassen?

Machen wir es gleich klar: Es gibt keine Pille, die wir verteilen, und alles ist wieder gut. Wer Mitarbeitermotivation steigern will, muss bereit sein, hinzuschauen, Verantwortung zu übernehmen und konsequent zu handeln. Wegsehen oder Aufgeben sind jedenfalls keine Optionen.

Vielleicht geht es Ihnen wie mir. Auf Unternehmenswebseiten liest man häufig Werte wie „Unsere Mitarbeiter:innen stehen im Mittelpunkt“ oder „Der Mensch ist unser wichtigstes Gut“. In Gesprächen mit Mitarbeiter:innen zeigt sich jedoch nicht selten ein anderes Bild: Viele fühlen sich nicht gesehen, nicht gehört und nicht ernst genommen. Manche reagieren auf diese Leitbilder sogar mit Zynismus oder Schulterzucken. Natürlich gilt das nicht für alle Unternehmen – und ja, es bewegt sich etwas. Dennoch kommt diese Diskrepanz noch immer erschreckend häufig vor. Und sie wirkt direkt gegen das Ziel, Mitarbeitermotivation nachhaltig zu stärken.

Nicht selten höre ich von Führungskräften die Aussage, Mitarbeitermotivation sei primär eine Frage der intrinsischen Einstellung. Mitarbeitende hätten sich den Job schließlich ausgesucht und müssten entsprechend engagiert arbeiten. Grundsätzlich ist daran nichts falsch. Dennoch greift diese Sichtweise zu kurz: Mitarbeitermotivation ist keine Einbahnstraße. Führung bedeutet Verantwortung – und dazu gehört unweigerlich auch, Mitarbeitermotivation aktiv zu fördern.

An dieser Stelle stellen Sie sich vielleicht die berechtigte Frage: Was genau können wir denn tun, um Mitarbeitermotivation zu steigern?

Bevor wir über Methoden sprechen, lade ich Sie zu einem Perspektivwechsel ein:

Woher kommt die Demotivation?
Was wurde – bewusst oder unbewusst – getan, um Mitarbeitende zu demotivieren?
Welchen Anteil haben Unternehmen, Team, Führungskraft oder äußere Umstände?

Die Antworten darauf erhalten Sie nicht aus Konzeptpapieren oder Mitarbeiterbefragungen allein, sondern – ganz konkret – im persönlichen, vertraulichen Gespräch mit Ihren Mitarbeiter:innen. Das mag banal klingen, ist aber einer der wirkungsvollsten Hebel, um Mitarbeitermotivation zu steigern.

Viele Mitarbeiter:innen starten hochmotiviert. Die Demotivation entsteht oft schleichend: Versprechen werden nicht eingehalten, Zusagen verschoben oder relativiert. Die Folge ist ein Verlust an Glaubwürdigkeit. Worte verlieren ihren Wert. „Walk your talk“ ist hier kein Schlagwort, sondern eine Grundvoraussetzung, um Mitarbeitermotivation langfristig zu erhöhen.

Ein Beispiel: Wird Vertraulichkeit zugesichert, Mitarbeitende erleben jedoch wiederholt, dass sensible Informationen weitergetragen werden, schlägt Vertrauen unmittelbar in Misstrauen um. Vertrauen aufzubauen dauert lange – es zu zerstören, geht in Sekunden.

Ein weiteres Beispiel: Einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter wird eine Förderung in Aussicht gestellt, wenn bestimmte Leistungen erbracht werden. Die Leistung wird erbracht – die Förderung bleibt aus, mit Begründungen wie „Das bekomme ich aktuell nicht durch“ oder „Wir müssen noch warten“. Welche Auswirkungen das auf die Motivation hat, liegt auf der Hand. Wer Mitarbeitermotivation steigern will, muss Verlässlichkeit herstellen.

An dieser Stelle lade ich Sie ein, sich selbst ehrlich zu reflektieren:
Wann haben Sie sich zuletzt ernsthaft für Ihre Mitarbeiter:innen interessiert?
Wann haben Sie ein offenes, wertschätzendes Gespräch über Bedürfnisse, Belastungen und Erwartungen geführt?
Was wissen Sie wirklich über das, was Ihre Mitarbeiter:innen bewegt?

Mir geht es nicht darum, Schuld zuzuweisen oder den „schwarzen Peter“ weiterzureichen. Häufig stehen Führungskräfte vor der Aufgabe, die zwischenmenschlichen Altlasten ihrer Vorgänger aufzuräumen. Das kostet Energie – zahlt sich aber aus. Denn der Aufbau vertrauensvoller Beziehungen ist einer der stärksten Hebel, um Mitarbeitermotivation zu steigern.

Das bestätigen auch zahlreiche Mitarbeiterbefragungen: Einer der wirksamsten Motivatoren ist das Vertrauensverhältnis zur Führungskraft. Sich gesehen zu fühlen, ernst genommen zu werden und sich loyal identifizieren zu können – all das wirkt stärker als viele materielle Anreize.

Ich wünsche Ihnen gute Gespräche.

Go for it,
Ihre Krisenmanagerin

Wenn Sie sich zunächst mit den Grundlagen von Mitarbeiterbindung und Motivation befassen möchten, lesen Sie gern auch Teil 1 dieser Beitragsreihe.