Krisen- & Konfliktmanagement – von der Bedeutung einer Auszeit 

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Wer mich kennt, weiß, dass ich mit sehr viel Energie, Leidenschaft und Herzblut meiner Aufgabe in der Begleitung und Unterstützung von Krisen und Konflikten nachkomme. Als ich mich selbständig machte, lass ich in vielen Büchern und hörte auch bei vielen Vorträgen den Hinweis, dass Selbständigkeit viel Disziplin erfordere. Die Disziplin, zu arbeiten und konsequent seine Aufgaben zu erledigen. Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich bin derart leidenschaftlich bei der Sache, dass ich die Disziplin benötige, einen Punkt zu setzen, ein Ende zu finden und die Freizeit einzuläuten.

Neben meiner Leidenschaft für das genannte Thema bin ich mehrere Stunden in der Woche im Ehrenamt aktiv, bilde mich weiter, bin Palliativpatientin mit regelmäßigen lebenserhaltenden Behandlungen und lebe in einer glücklichen Beziehung. Offensichtlich habe ich – so mein Freundeskreis und meine Kunden – viel Energie.

Meinen Alltag erfülle ich mit großer Dankbarkeit und Demut. Ich freue mich über das in mich gesetzte Vertrauen und bin glücklich und erfüllt, wenn ich meine Kunden unterstützen konnte. Natürlich erlebe ich in den begleiteten Konfliktsituationen zuweilen starke Emotionen und höre auch erschütternde Situationsbeschreibungen. Und das fast jeden Tag. 

Um hier wirksam sein und bleiben zu können, ist es aus meiner Sicht absolut entscheidend, mit der eigenen Energie zu haushalten. Ansonsten geht die Puste aus, das aktive Zuhören gelingt nicht mehr, man kann sich nur schwer einfühlen und die Unterstützungsqualität lässt nach oder sinkt auf Null. Das ist alles, aber sicher weder gesund noch professionell. Zu einem guten Krisen- und Konfliktmanagementberater gehört in meinen Augen eine mindestens ebenso gute Resilienz- und Energiestrategie.

Oft werde ich gefragt, wie ich damit haushalte und was ich tue, um in meiner Kraft zu bleiben. Darüber musste ich tatsächlich aktiv nachdenken und reflektieren, da mir die Antwort nicht leicht fiel. Schließlich empfinde ich ja keinen Energiemangel. Bei näherer Betrachtung sind mir aber verschiedene Aspekte eingefallen, von denen ich Ihnen hier drei vorstellen möchte. 

Alle drei Varianten haben einen gemeinsamen Nenner: Es sind Auszeiten, bei denen ich abschalte.

Aber im Einzelnen:

Zunächst hilft es mir, mir immer wieder bewusst zu machen, dass es nicht meine Probleme oder Herausforderungen sind, sie „gehören“ mir nicht, sondern den jeweils anderen Menschen. Ich mache mir selber immer wieder klar, dass ich alles in meiner Kraft stehende getan habe, um Besserung herbeizuführen. Es ist „deins“ und nicht „meins“. Ich fühle mit, aber ich leide nicht mit. Das ist für mich ein großer Unterschied, der dazu führt, dass ich die Ereignisse und die entsprechenden Eindrücke in der Regel nicht mit nach Hause nehme. 

Ein weiterer Weg des Abschaltens ist die Ausübung eines meiner Hobbies: Theater spielen. Egal ob klassisch oder Improvisationstheater. In den Proben und auf der Bühne schlüpfe ich in andere Rollen und kann es mir gar nicht erlauben, an etwas anderes zu denken als an den gelernten Text und das einzuübende Theaterstück. Ich tauche ab. Beim Improvisationstheater wird dies noch mit einer ordentlichen Prise Humor und Leichtigkeit gewürzt, was mich besonders stark aus dem Alltag holt.

Und schließlich eine meiner Lieblingsvarianten: eine Woche allein im Urlaub. Da lasse ich mich treiben, folge meinem Flow, tue ausschließlich, was ich möchte und tappe nicht in die Falle zu überlegen, womit ich meiner Reisebegleitung einen Gefallen tun könnte. An so mancher Wegkreuzung habe ich nach Gefühl entschieden, ob ich lieber links oder rechts abbiegen möchte. 

Ich bin auf mich allein gestellt, lerne leichter Einheimische und fremde Kulturen kennen, komme bei mir an. Faktisch kann ich sagen, dass ich hierbei einen viel besseren Zugang zu meinen verborgenen Wünschen erlange, Dinge verarbeite, Wünsche und Ziele klar umreiße und mich jenseits potenzieller Verpflichtungen und Verbindlichkeiten noch freier fühle.

Dieses unglaubliche Leichtigkeitsgefühl wirkt auf mich berauschend. Und es hält nachhaltig an.

Während ich im vergangenen Jahr allein eine Woche in den Rocky Mountains in Colorado unterwegs war, werde ich dieses Jahr eine winterliche Auszeit in Westgrönland nehmen. Eine Woche Schnee und Eis, soweit das Auge reicht, wenig Menschen, viel Landschaft und die Erfüllung einiger meiner persönlichen Bucketlist – Träume: Hundeschlitten, Snowmobil, Polarlichter, eine Übernachtung im Iglu und einiges mehr. Ohne Reisegruppe. Nur ich. Ich werde mich inspirieren lassen, entspannen und Zeit mit dem Menschen verbringen, mit dem ich untrennbar verbunden bin: mit mir.

Alle drei Varianten handeln von einer Auszeit. Einer Auszeit von Kopfkino, Verpflichtungen und dem Blick auf die Uhr. Das ist für mich Freiheit und Energie auftanken pur.

Und die Wirkung? Dadurch, dass mein Gehirn nicht in Verpflichtungsstrukturen, Aufgabenerledigungen oder Terminen denkt, hat es Zeit für eine Pause. 

Die Urlaube gehen bei mir in der Wirkung noch weiter: Mein Unterbewusstsein hat eine Chance, sich zu Wort zu melden, mir als innerer Wegweiser zu dienen und Eindrücke sowie Erfahrungen aus krisenbehafteten Interventionen gut und anstrengungslos zu verarbeiten. Mir persönlich ist es dabei wichtig, insbesondere Ziele mit viel Natur auszuwählen, also keine Städtetrips, damit ich meinen Blick schweifen lassen und innere Impulse ungestört hören kann. Übrigens achte ich dabei darauf, Unterkünfte zu wählen, die keinerlei Erinnerung an Dienstreisen wecken. 

Wie tanken Sie auf? Welche Strategie hilft Ihnen?

Ich bin gespannt auf Ihre Rückmeldungen.

Go for it, Ihre Krisenmanagerin

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